Endoprothese - Gelenkersatz

Publiziert: 09.04.2008. Aktualisiert: 18.06.2010

Unter Gelenkschmerzen und eingeschränkter Beweglichkeit leiden viele von uns. Bei einer größeren Gelenkbeschädigung kann der künstliche Gelenkersatz die einzig mögliche Lösung sein.

Es werden nur einige Gelenke des menschlichen Körpers ersetzt. Dazu gehören das Hüft-, Knie-, Schulter-, Ellbogen- und Sprunggelenk sowie kleine Finger- und Zehengelenke. Zu den am häufigsten durchgeführten Eingriffen gehören insbesondere der Ersatz der Hüft- und Kniegelenke.

Die Endoprothesen unterscheiden wir:

1) Nach der Anzahl ersetzter Flächen

  • Totalendoprothese – es werden alle Gelenkflächen ersetzt

  • Teilendoprothese – es wird nur der beschädigte Gelenkteil ersetzt, jedoch der restliche verbleibende Teil muss voll funktionsfähig sein

2) Nach der Art und Weise der Fixierung in den Knochen

  • zementiert – zur Fixierung der Prothese wird sog. Knochenzement eingesetzt, manchmal auch mit Antibiotika vermischt.

  • nicht zementiert – die Prothese wird mit dem Knochen durch sein allmähliches Durchwachsen in die speziell – meist mit Hydoxiapatit aufbereitete Oberfläche der Endoprothese - verbunden.

  • gemischt – die Prothese habe eine zementierte und eine unzementierte Komponente.

Die Verwendung einer konkreten Endoprothese ist durch bestimmte fachliche Indikationen bedingt und es kann in keinem Fall behauptet werden, dass die unzementierten Prothesen besser seien als die zementierten oder umgekehrt.

3) Nach der Form

Es werden unterschiedliche Formen der einzelnen Teile von Endoprothesen unterschieden. Deren Einsatz ist individuell und hängt von der Gelenkform sowie von den anatomischen Gegebenheiten jedes einzelnen Patienten ab. Auch in diesem Fall kann nicht bestimmt werden, welche Form die beste ist.

Die Wahl der geeigneten Endoprothese hängt daher immer von der Entscheidung des Chirurgen ab und diese Entscheidung orientiert sich an der Untersuchung des Patienten sowie an den Erfahrungen der Klinik.

Material für den Gelenkersatz

Am meisten wird Titan verwendet, aus dem der Schaft und die Gelenkpfanne hergestellt sind. Bei modernen Produkten ist die porenreiche Titenoberfläche mit Hydroxyapatit beschichtet, der im Gegensatz zu Titan biokompatibel ist. Der Gelenkkopf kann aus Metall oder Keramik hergestellt sein. Die Metallköpfe werden aus Edelstahl, Titanlegierung oder der CoCrMo-Legierung hergestellt. Die Auflageflächen sind mit einer reibfesten Carbon-Schicht behandelt. Die keramischen Gelenkköpfe enthalten feinkörnigen polykristallinen Korund. Alle eingesetzten Materialien müssen die ISO-Normen erfüllen. Der bereits erwähnte Knochenzement ist ohne ATB oder enthält ein Antibiotikum, meist Gentamycin. Es gibt auch Knochenzement, der eine ATB-Kombination von Gentamycin und Klindamycin enthält. Dieser Knochenzement wird bei Revisionseingriffen wegen Komplikationen durch Entzündungen eingesetzt. Ein qualitativ hochwertiger Knochenzement ist hochviskos, RTG-kontrastreich und schnell verhärtend.

Wann muss das eigene Gelenk durch ein künstliches ersetzt werden?

Dann, wenn das Gelenk durch eine Entzündung, einen degenerativen Prozess – Arthrose 3.-4. Grads oder durch eine Verletzung beschädigt ist. Der Patient leidet meist unter Schmerzen und reduzierter Tragfähigkeit des Gelenkes. Er kann die gewöhnlichen Bewegungen nicht ausführen. Das Gelenk ist häufig angeschwollen und es kann auch Erguss – Flüssigkeit in der Gelenkhöhle - vorhanden sein.

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Operation

Vor der Operation ist eine gründliche präoperative Untersuchung erforderlich, die eine Infektion ausschließt und den allgemeinen gesundheitlichen Zustand des Patienten auswertet. Die meisten Patienten, die einen Gelenkersatz brauchen, sind im höheren Alter, mit reduzierter Beweglichkeit, leiden unter einer Reihe begleitender Erkrankungen und häufig auch an Übergewicht. Deshalb ist es wichtig zu erwägen, ob sie in der Lage sind, den Eingriff zu absolvieren. Die Operation erfolgt unter Voll- oder Einleitungsanästhesie.

Die Operation wird durch einen großen Blutverslust begleitet, der neben der herkömmlichen Transfusion auch durch die Nutzung des eigenen Bluts – Autotransfusion – gehandhabt werden kann.

Es handelt sich um eine ziemlich komplizierte Operation. Der Patient wird meist unmittelbar nach dem Eingriff in die Intensivstation gebracht, wo seine Lebensfunktionen mit Geräten überwacht werden. Nach der Stabilisierung des Zustandes erfolgt die Heilung in einer Standardabteilung. Die Aufenthaltdauer in der Klinik ist individuell und hängt vom Typ der Operation, von den postoperativen Komplikationen usw. ab.

Bereits ab dem 3. Tag nach der Operation wird mit intensiver Physiotherapie unter Fachaufsicht begonnen. Die Physiotherapie ist ein äußert wichtiger Bestandteil des gesamten Eingriffs. Sie sollte bereits vor der Operation beginnen (Übungen, Gewichtsabnahme, Laufen mit Krücken), nach dem Eingriff und dann ambulant nach der Entlassung aus der Klinik fortgesetzt werden. Auch ein Kurortaufenthalt ist empfehlenswert.

Postoperative Komplikationen

Die Komplikationen können mit der verwendeten Anästhesie und somit auch mit dem allgemeinen Gesundheitszustand zusammenhängen.

Zu den weiteren Risiken gehört auch die bereits erwähnte Blutung, die in den meisten Fällen eine Bluttransfusion erforderlich macht. Die Autotransfusion ist natürlich besser. Auch wenn die Möglichkeit der Übertragung von HIV oder Hepatitis Typ B, C aus den Blutkonserven der Blutspender minimiert wird. Es können auch unerwünschte Reaktionen bei oder nach der Transfusion auftreten. Diese sind jedoch nur sehr selten.

Das Risiko einer Thrombose – Blutgerinnsels droht genauso, wie bei jeder Operation. Das größte Risiko besteht bei einer Lungenthrombose. Vorbeugend werden Medikamente gegen Blutgerinnung verabreicht, die aber wiederum die Blutung verstärken.

Die Infektion gehört zu erheblichen Komplikationen, da die Endoprothese für den Organismus einen Fremdkörper darstellt. Vorbeugend werden vor der Operation und für 1-2 Tage nach der Operation Antibiotika verabreicht.

Wird die Prothese von einer Infektion befallen, so ist eine erneute Operation erforderlich. In den meisten Fällen muss die Endoprothese entfernt, die Stelle mit einer speziellen Plombe mit ATB behandelt und Antibiotika für bis zu 6 Wochen verabreicht werden. Erst dann, wenn die Infektion vollständig geheilt ist, kann ein neuer Gelenkersatz einoperiert werden. Kann die Infektion nicht bewältigt werden, so wird eine Gelenkversteifung – Arthrodese – empfohlen. Die Gelenkknochen wachsen nach Abschleifen und Verbindung zusammen und das Gelenk ist dann nicht mehr beweglich.

Falls Sie eine Endoprothese haben, sollten Sie jede bakterielle und Virenerkrankung nach der Abstimmung mit dem Arzt ordentlich ausheilen. Die vorbeugende Verabreichung von Antibiotika ist auch bei invasiven Untersuchungen (z.B. Dickdarmspiegelung usw.) empfehlenswert.

Eine Verletzung von Adern und Nerven in der Nähe des Gelenkes ist eine wenig häufige Komplikation.

Bei einigen Patienten ist auch andauernder Schmerz vorhanden, der natürlich mit Schmerzmitteln behandelt werden kann.

Wie lange hält ein Gelenkersatz?

Die Lebensdauer eines Gelenkersatzes ist bei jedem Patienten individuell und hängt insbesondere von seiner Nutzung ab. Wie häufig und für welche Aktivitäten er genutzt wird. Ob der Patient Kontrollen absolviert, übergewichtig, in guter Kondition usw. ist. Der Knie- und Hüftgelenkersatz ist für gewöhnliche Aktivitäten, Gehen, Schwimmen oder Radfahren ausgelegt. Wenig empfehlenswert sind z.B. Laufen und Skifahren. Trotzdem treiben einige Patienten auch diese Aktivitäten ohne Probleme. Der Gelenkersatz kann nach der Abnutzung ausgetauscht werden - Revisionsersatz. Ob das Ergebnis positiv sein wird, kann eindeutig nicht gesagt werden. Es hängt von dem Grund ab, für welchen die Endoprothese ausgetauscht werden muss.